{"id":1407,"date":"2006-04-28T15:49:00","date_gmt":"2006-04-28T15:49:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.newkamera.de\/blogs\/oleg_jurjew\/?p=1407"},"modified":"2006-04-28T15:49:00","modified_gmt":"2006-04-28T15:49:00","slug":"rom-liegt-irgendwo-in-russland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.newkamera.de\/blogs\/oleg_jurjew\/?p=1407","title":{"rendered":"Rom liegt irgendwo in Russland"},"content":{"rendered":"<p>\u0422\u0440\u0438 \u0434\u043d\u044f \u043d\u0430\u0437\u0430\u0434 \u0432\u044b\u0448\u043b\u0430 \u0438 \u0441\u0435\u0433\u043e\u0434\u043d\u044f \u043f\u043e\u043b\u0443\u0447\u0435\u043d\u0430 \u043a\u043d\u0438\u0436\u043a\u0430-\u0431\u0438\u043b\u0438\u043d\u0433\u0432\u0430: Olga Martynova, Jelena Schwarz. Rom liegt irgendwo in Russland. \u0418\u0437\u0434-\u0432\u043e per procura, \u0412\u0435\u043d\u0430 \u2014 \u041b\u0430\u043d\u0430 (\u0432\u0442\u043e\u0440\u043e\u0435 \u2014 \u0432 \u0418\u0442\u0430\u043b\u0438\u0438, \u0432 \u042e\u0436\u043d\u043e\u043c \u0422\u0438\u0440\u043e\u043b\u0435), 2006. \u0412 \u043a\u043d\u0438\u0436\u043a\u0435 \u2014 \u0434\u0432\u0430 \u0432\u0437\u0430\u0438\u043c\u043d\u043e\u043f\u043e\u0441\u0432\u044f\u0449\u0435\u043d\u043d\u044b\u0445 \u0440\u0438\u043c\u0441\u043a\u0438\u0445 \u0446\u0438\u043a\u043b\u0430 \u041e\u043b\u044c\u0433\u0438 \u041c\u0430\u0440\u0442\u044b\u043d\u043e\u0432\u043e\u0439 \u0438 \u0415\u043b\u0435\u043d\u044b \u0428\u0432\u0430\u0440\u0446, \u0432 \u043e\u0431\u0449\u0438\u0445 \u0447\u0435\u0440\u0442\u0430\u0445 \u0440\u0443\u0441\u0441\u043a\u0430\u044f \u0447\u0430\u0441\u0442\u044c \u0441\u043e\u043e\u0442\u0432\u0435\u0442\u0441\u0442\u0432\u0443\u0435\u0442 \u0440\u0430\u0437\u0434\u0435\u043b\u0443 <a href=\"http:\/\/www.newkamera.de\/roma.html\" target=\"_blank\">&#171;\u0425\u0440\u0443\u0441\u0442\u044f, \u0440\u0430\u0441\u0446\u0432\u0435\u0442\u0430\u0435\u0442 \u0437\u0432\u0435\u0437\u0434\u0430 \u0410\u0432\u0435\u043d\u0442\u0438\u043d\u0430&#8230;&#187;<\/a> \u043d\u0430 \u0441\u0430\u0439\u0442\u0435 <a href=\"http:\/\/www.newkamera.de\/index.html\" target=\"_blank\">&#171;\u041d\u043e\u0432\u0430\u044f \u041a\u0430\u043c\u0435\u0440\u0430 \u0445\u0440\u0430\u043d\u0435\u043d\u0438\u044f&#187;<\/a>. \u041d\u0435\u043c\u0435\u0446\u043a\u0438\u0435 \u043f\u0435\u0440\u0435\u0432\u043e\u0434\u044b \u042d\u043b\u044c\u043a\u0435 \u042d\u0440\u0431 \u0438 \u041e\u043b\u044c\u0433\u0438 \u041c\u0430\u0440\u0442\u044b\u043d\u043e\u0432\u043e\u0439.<\/p>\n<p><center><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ljplus.ru\/\/img\/o\/l\/oleg_jurjew\/rom_oblozhka_01.jpg\" width=\"307\" height=\"480\"><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ljplus.ru\/\/img\/o\/l\/oleg_jurjew\/rom_oblozka_02.jpg\" width=\"307\" height=\"480\"><\/p>\n<p><\/center><\/p>\n<p>\u0412 \u043a\u0430\u0447\u0435\u0441\u0442\u0432\u0435 \u0431\u043e\u043d\u0443\u0441\u0430 \u0434\u043b\u044f \u0447\u0438\u0442\u0430\u044e\u0449\u0438\u0445 \u043f\u043e-\u043d\u0435\u043c\u0435\u0446\u043a\u0438 \u043f\u043e\u0434 \u043a\u0430\u0442\u043e\u043c \u0441\u0442\u0430\u0442\u044c\u044f \u041e\u043b\u044c\u0433\u0438 \u041c\u0430\u0440\u0442\u044b\u043d\u043e\u0432\u043e\u0439. \u0421\u0442\u0430\u0442\u044c\u044e \u044d\u0442\u0443 \u0441\u043b\u0435\u0434\u043e\u0432\u0430\u043b\u043e \u0431\u044b \u043d\u0430\u0437\u0432\u0430\u0442\u044c &#171;\u043c\u0435\u0436\u0434\u0443\u0441\u043b\u043e\u0432\u0438\u0435\u043c&#187;, \u043f\u043e\u0441\u043a\u043e\u043b\u044c\u043a\u0443 \u0432 \u043a\u043d\u0438\u0433\u0435 \u043e\u043d\u0430 \u0440\u0430\u0437\u043c\u0435\u0449\u0435\u043d\u0430 <u>\u043c\u0435\u0436\u0434\u0443<\/u> \u0441\u0442\u0438\u0445\u043e\u0442\u0432\u043e\u0440\u043d\u044b\u043c\u0438 \u0446\u0438\u043a\u043b\u0430\u043c\u0438.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<font size=\"+1\">Rom liegt irgendwo in Russland<\/font><br \/>\nRom liegt irgendwo in Ru\u00dfland, am Rande. Vielleicht am Baltischen Meer oder am Schwarzen. Ein beliebter Ausflugsort f\u00fcr die Kulturruinenbegeisterten unter uns. Russische Touristen schreiben gerne Gedichte. Eine Anthologie der russischen Gedichte \u00fcber Rom erg\u00e4be einen dicken Band. Aber nicht nur die Springbrunnen und Pinien dieser Stadt rascheln in unseren B\u00fcchern (<i>Lorbeer raschelt wie ein Buch, in dem alle Seiten zugleich aufgeschlagen sind<\/i>, schrieb Brodsky in einer seiner &#171;R\u00f6mischen Elegien&#187;), seit zwei Jahrhunderten besiedeln die Russen Roms sieben H\u00fcgel. Nicht nur Nikolaj Gogols Kr\u00e4hen-Gesicht l\u00e4chelt unter dem glatten fettigen Haar hervor von der Wand des &#171;Caffe Greco&#187;. Ganz Italien ist mit von Russen gestifteten Gedenktafeln beh\u00e4ngt. Als Jelena Schwarz mich durch Rom f\u00fchrte, st\u00fcrzte sie immer wieder zu irgendeiner Hausecke, weil sie sich dort eine gemerkt hatte. In italienischer und russischer Sprache stand geschrieben, wer und wann hier gewohnt hat. <\/p>\n<p>Dazu mu\u00df man sagen, da\u00df die Lieblingsbesch\u00e4ftigung der Russen nicht das Wodka-Trinken ist  \u2013 wie man im Westen irrt\u00fcmlicherweise annimmt \u2013 auch nicht sich pr\u00fcgeln, auch nicht die Zigeuner-Lieder singen. Die Lieblingsbesch\u00e4ftigung der Russen ist das Anbringen von Denktafeln. Vor kurzem verabschiedete die Moskauer Stadtregierung einen Erla\u00df: <i>Das eigenm\u00e4chtige Anbringen von Gedenktafeln und Aufstellen von Denkm\u00e4lern wird strafrechtlich verfolgt<\/i>. Um so heftiger beh\u00e4ngen wir fremde W\u00e4nde, falls uns eine g\u00fctige fremde Obrigkeit das erlaubt. Die russische Gemeinde in Bologna hat Geld f\u00fcr eine Gedenktafel f\u00fcr Joseph Brodsky in Venedig gesammelt. Dann hat eine russische Bologneserin Jelena Schwarz in Rom angerufen und gefragt, ob und wo in Venedig die Tafel plaziert werden mu\u00df. &#171;Fragen Sie doch die Witwe des Dichters&#187;, \u2013 sagte Jelena Schwarz. &#171;Ja, das haben wir schon, sie meint aber, da\u00df sie gar nicht so sicher ist, ob es Joseph Brodsky \u00fcberhaupt recht w\u00e4re&#8230;&#187; Die Entscheidung ist noch in der Schwebe.<\/p>\n<p>Warum wurde Jelena Schwarz in dieser Frage angerufen? Vielleicht, weil sie als Gast der Brodskys Stiftung in Rom war. Zweck der Stiftung ist, russischen Dichtern f\u00fcr eine Weile die bedeutendste Stadt in den Provinzen der russischen Poesie zu schenken. Aber in Wirklichkeit (in der speziellen Wirklichkeit, in der die Dichter leben) war Jelena Schwarz l\u00e4ngst in Rom: seit Cynthia. Dieser Frau, die eigentlich Hostia hie\u00df und nur in Gedichten von Properz zu Cynthia wurde, verlieh Jelena Schwarz eine Stimme (beide, Cynthia und Properz, lebten in Rom im ersten Jahrhundert vor Chr., beide wurden ber\u00fchmt dank seiner Elegien an sie, beide waren haltlos und gemein, sie wahrscheinlich haltloser und gemeiner als er, nur blieb sie stumm wie ein Fisch, bis Jelena Schwarz ihre beiden <i>Cynthia<\/i>-B\u00fccher verfa\u00dfte). Schreibmaschinen-Kopien dieser <i>Cynthia<\/i>-Gedichte (die mir nun in einer zweib\u00e4ndigen Werkausgabe mit sandfarbenem Umschlag vorliegen) waren das erste, was ich vor mehr als zwanzig Jahren von Jelena Schwarz gelesen habe. Man verliebt sich in diese Zeilen sofort. \u00dcber den armen Properz ist da nicht viel: <i>Amor ist schrullig &#8212; ich Arme liebe ein kahles Unget\u00fcm und Wieder kam mein Properz zu mir zur\u00fcck &#8212; So ein Gl\u00fcck f\u00fcr Cynthia! Verkratzt ist er, verweint, abgeschabt, kahl, schmutzig, abgemagert<\/i>. <\/p>\n<p>Ich fuhr nach Rom, um Jelena zu sehen. Ein \u00e4lterer deutscher Geheimrat soll gesagt haben, da\u00df derjenige, der Italien, insbesondere Rom, sich gut angeschaut hat, nie mehr ganz ungl\u00fccklich sein kann. Das klang, als wir dort waren, wie eine Beschw\u00f6rung in unseren Ohren. Eigentlich aber waren wir gl\u00fccklich, da\u00df wir uns wiedersahen. Aus diesem Gl\u00fcck heraus versprachen wir einander, die Gedichte von Rom und Italien, die wir nach diesem Treffen (vor Weihnachten 2001)  schreiben werden, in einem B\u00fcchlein zusammenzuf\u00fchren. <\/p>\n<p>Als unsere gemeinsame Zeit in Rom verflog, setzte ich mich in ein leeres Coup\u00e9, schlo\u00df die Augen und schlug sie erst in Mailand wieder auf. Jelena ist inzwischen wieder in Petersburg, wo sie seit 1948, dem Jahr ihrer Geburt, lebt. Manchmal denke ich, da\u00df ganz Petersburg, die Hauptstadt der russischen Dichtung, auf ihren schmalen Schultern steht. <\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\tOlga Martynova<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u0422\u0440\u0438 \u0434\u043d\u044f \u043d\u0430\u0437\u0430\u0434 \u0432\u044b\u0448\u043b\u0430 \u0438 \u0441\u0435\u0433\u043e\u0434\u043d\u044f \u043f\u043e\u043b\u0443\u0447\u0435\u043d\u0430 \u043a\u043d\u0438\u0436\u043a\u0430-\u0431\u0438\u043b\u0438\u043d\u0433\u0432\u0430: Olga Martynova, Jelena Schwarz. 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